Illustration: Heike Halbmann

Illustration: Heike Halbmann

 

Die Israeliten werden umkehren und den HERRN, ihren Gott, suchen, und werden mit Zittern zu dem HERRN und seiner Gnade kommen in letzter Zeit. Hosea 3,5

Gott ist’s, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen. Philipper 2,13

 

Umkehr, Umkehr zum Leben, Umkehr zu Gott ist das Thema der heutigen Losungsworte. Beide Verse klingen wie eine Verheißung, die Verheißung, dass Gott in uns wirkt. Gott selbst bewegt Menschen zur Umkehr aus unheilvollen und lebensfeindlichen Strukturen, aus Sackgassen, die das menschliche Zusammenleben und Gottes Schöpfung zerstören. Diese Botschaft hat etwas Tröstliches an sich, Gott ist da und wirkt in uns, wenn wir es zulassen, wenn wir uns auf ihn, seine Liebe und seine Botschaft einlassen. Gottes Angebote sind Gnade, Umkehr und Neuanfang. Wenn wir uns auf Gott einlassen, seine Liebe in uns wirken lassen, wird dies uns verändern in unserem Denken, Wollen und Handeln.

Die Umkehr zum Leben, sie geschieht schon jetzt, überall dort, wo Menschen Gott suchen, wo Menschen sich auf Gottes Liebe einlassen, wo Menschen anfangen, ungerechte und lebenszerstörende Strukturen, Gesetze, Regeln oder Lebensweisen zu verändern, wo Menschen sich für Frieden einsetzen, wo Menschen ihre Mitgeschöpfe achten und bewahren, wo Menschen sich für Menschenrechte und Menschenwürde einsetzen, wo Menschen auf Gottes Liebe und Gnade vertrauen.

Lasse ich mich auf Gott ein, lasse ich mich durch seine Liebe verändern, bin ich bereit, umzukehren aus den Sackgassen meines Lebens? Gottes Verheißung gilt, jeden Tag aufs Neue! Amen.

 

Andacht: Gisela Voltz, Referat Entwicklung und Politik, Mission EineWelt

Illustration: Heike Halbmann, Öffentlichkeitsarbeit, Mission EineWelt

 

 

Afterward the Israelites will return and seek the Lord their God and David their king. They will come trembling to the Lord and to his blessings in the last days. Hosea 3:5

For it is God who works in you to will and to act in order to fulfill his good purpose. Philippans 2:13

 

Conversion, conversion to life, conversion to God is the theme of today’s watchwords. Both verses sound like a promise, the promise that God will work in us. God himself moves people to repentance from unwholesome and hostile structures, from dead ends that destroy human coexistence and God’s creation. There is something comforting about this message, God is there and working in us if we allow it, if we engage with him, his love and his message. God’s offers are grace, repentance, and new beginnings. If we get involved with God, let his love work in us, this will change us in our thinking, desire and acting.

The conversion to life is already happening now, everywhere where people seek God, where people engage in God’s love, where people begin to change unjust and life-destroying structures, laws, rules or ways of life, where people work for peace, where people respect and preserve their co-creatures, where people work for human rights and human dignity, where people trust in God’s love and grace. Do I engage in God, let myself be changed by his love, am I ready to turn back from the dead ends of my life? God’s promise applies every day anew! Amen.

 

Prayer: Gisela Voltz

Illustration: Heike Halbmann

 

 

Illustration: Heike Halbmann

Illustration: Heike Halbmann

 

Du gibst meinen Schritten weiten Raum, und meine Knöchel wanken nicht. 2. Samuel 22,37

Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit. 2. Korinther 3,17

 

Weite Räume und grenzenlose Freiheit, das sind im Moment wohl eher Wunschvorstellungen. Realität sind verschärfte Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Kontaktbeschränkungen, nächtliche Ausgangssperren, Grenzkontrollen oder Quarantänevorschriften bestimmen seit knapp einem Jahr unser Leben und Arbeiten. Eine Herausforderung für unsere Gesellschaft, für Familien, ja am Ende für jeden von uns. Weite Räume und Freiheit finden zum größten Teil nur noch im Kopf-Kino statt. In der jetzigen Situation klingen die beiden Verse aus den Losungen wie ein schlechter Scherz. Sie sind eine Zumutung.

Doch es ist genau diese Zumutung, die für mich die Losungen so wertvoll machen. Immer wieder führen sie mich aus meinen eingefahrenen Gedankengängen heraus. Sie fordern mich heraus, die Blickrichtung zu ändern, anderes zu hoffen und mein Vertrauen auf eine Botschaft zu setzen, die für die einen eine Torheit ist, für die anderen aber die Kraft Gottes.

Ich halte mich eher an Letzteres. Nicht aus blanker Verzweiflung, sondern als Teil einer Gemeinschaft, die sich von den Realitäten der Gotteskraft getragen weiß. Die nicht müde wird, Geschichten und Erfahrungen zu teilen, die von der Kraft Gottes zeugen. Von dem Halten des wankenden Knöchelns und der erlebten Freiheit – auch und gerade in Zeiten der Unsicherheit und erlebten Einschränkungen.

 

Andacht: Hanns Hoerschelmann, Direktor Mission EineWelt

Illustration: Heike Halbmann, Öffentlichkeitsarbeit, Mission EineWelt

 

 

You provide a broad path for my feet, so that my ankles do not give way. 2. Samuel 22,37

Where the Spirit of the Lord is, there is freedom. 2 Corinthians 3,17

 

Wide spaces and limitless freedom, these are more of a wishful thinking at the moment. The reality is tightened measures to contain the corona pandemic. Contact restrictions, night curfews, border controls or quarantine regulations have been determining our lives and work for almost a year. A challenge for our society, for families, and ultimately for each of us. For the most part, vast spaces and freedom only take place in the head cinema. In the current situation, the two verses from the Moravians sound like a bad joke. They are imposition.

But it is precisely this imposition that makes the verses so valuable to me. Repeatedly, day after day, they lead me out of my entrenched line of thought. They challenge me to change my line of sight, to hope for something else and to place my trust in a message that is folly for some, but the power of God for others.

I tend to stick to the latter. Not out of sheer desperation, but as part of a community that knows itself to be carried by the realities of God’s power. A community that never gets tired of sharing stories and experiences that testify to the power of God. Stories about holding the swaying ankle and experiencing freedom – also and especially in times of uncertainty and experienced restrictions.

 

Prayer: Hanns Hoerschelmann

Illustration: Heike Halbmann

Illustration: Heike Halbmann

Illustration: Heike Halbmann

 

Und es murrte die ganze Gemeinde der Israeliten wider Moses und Aaron in der Wüste. 2.Mose 16,2

 

So und ähnlich liest man immer wieder in der langen Geschichte vom Auszug des Volkes Israel aus Ägypten und seiner langen Wanderung durch die Wüste.

Fast möchte man unsere momentane Situation mit einer Wüstenwanderung vergleichen: Schon fast ein Jahr lang beschäftigt uns Corona, und immer wieder aufs Neue müssen wir uns einschränken: So muss man ja momentan überlegen, welche einzelne Person man einladen soll: Oma oder Opa? Alex oder lieber seine Frau? Eine*r muss zuhause bleiben. Dass man gelegentlich im Stillen gegen „die Oberen murrt“, ist durchaus verständlich.

Wann hat das alles ein Ende?

Das mögen die Israeliten während ihrer 40jährigen Wanderung durch die Wüste auch gedacht haben.

Wann endlich ist das Ziel erreicht? – Wann können wir wieder normal leben?

Eine endlose Warteschleife tut sich auf! Das ist doch kein Leben!

Während der Wüstenwanderung der Israeliten passiert allerdings eine Menge Positives: Gott schenkt Wunder und Rettungen; es gibt Geburten, Hoffnungszeichen und Begegnungen mit Gott; und nicht zuletzt die zweimalige Übergabe der Zehn Gebote an das Volk Israel!

Öffnen doch auch wir die Augen, was alles während dieser endlos langen Warteschleife in der Pandemie passiert! Hoffentlich entdecken wir viel Gutes?!

Für mich persönlich waren es zum Beispiel eingeschränkte, aber intensive Treffen im kleinsten Kreis und viele Spaziergänge, immer wieder mit anderen Freund*innen. Ein echter Segen!

Gott segne unser Dasein in der Warteschleife!

 

Andacht: Ulrike Bracks, Kirchliche Studienbegleitung

Illustration: Heike Halbmann, Öffentlichkeitsarbeit, Mission EineWelt

 

 

And all the children of Israel were crying out against Moses and Aaron in the waste land. 2.Mose 16:2

 

One reads like this again and again in the long story of the exodus of the people of Israel from Egypt and their long hike through the desert.

You almost want to compare our current situation with a very long desert hike: Corona has kept us busy for almost a year and we always have to limit ourselves again and again: so you have to think about which single person you would like to invite: Grandma or Grandpa? Alex or his wife? One has to stay at home. That one occasionally quietly grumbles against the “upper ones” is quite understandable.

When does it all end?

That is what the Israelites may have thought during their 40-year hike through the desert.

When will the target finally be reached? When can we live normally again?

An infinitely waiting loop opens. That’s no life!

But during the desert hike of the Israelites a lot of positive things happened: God gives wonders and rescues; he gives births, signs of hope and encounters with god; and not least two handovers of the ten commandments to the people of Israel.

Let’s open our eyes to what’s happening during this infinitely long waiting loop in this pandemic. Hopefully we will discover a lot of good things!

For me personally it was, for example, limited but intensive meetings in a small group and many walks, again and again with other friends. A real blessing!

God bless our existence in the waiting loop!

 

Prayer: Ulrike Bracks

Illustration: Heike Halbmann

Illustration: Heike Halbmann

Illustration: Heike Halbmann

 

HERR, du machst alles lebendig und das himmlische Heer betet dich an. Nehemia 9,6

 

Wir sagen: „Das steht in den Sternen“ und meinen etwas achtlos damit, dass das, was kommt, völlig ungewiss ist. Wir haben keinen Einfluss auf die Zukunft. Die Losung des Tages ist präziser. Sie preist Gottes Macht als Schöpfer und Erhalter dieser Welt. Wenn wir Gott preisen, lassen wir unsere täglichen Sorgen hinter uns. Wir treten zurück vor dem Klein-Klein unseres Tagesgeschäfts und bekommen in den Blick, was unser Gott tut: Auf sein Werk sollst du schauen, wenn dein Werk soll bestehen.

Für die Umwelt der Bibel waren die Sterne, das himmlische Heer, nicht einfach ein paar nette Funkelpunkte am Himmel. Das waren Mächte und Gewalten, die unser Schicksal lenken. So glauben es auch heute noch nicht wenige Menschen. Israel kennt nur den einen Gott, leugnet nicht, dass es daneben auch noch andere Mächte geben mag, aber eben – „das himmlische Heer betet dich an“, wie es die ganze Schöpfung tut. Wir sind in seiner Hand, heute, morgen und jeden Tag unseres Lebens. Und – noch schöner – wir dürfen von ihm Gutes erwarten.

 

Gebet:

Himmlischer König, Schöpfer des Alls, Quelle des Lebens, wir vertrauen uns Dir heute an, weil du die Liebe bist, weil du Kraft hast, der Zerstörung zu wehren, Hass und Achtlosigkeit zu überwinden.

Wir vertrauen Dir in dieser Woche besonders den politischen Prozess in Nicaragua an. Schenke faire Wahlen dort. Mache die Kirchen und Christ*innen des Landes zu einem Leuchtturm der Achtung und der Gerechtigkeit.

Wir bitten um dein Geleit und deinen Segen hinein in die Arbeit des Tages und des noch frischen Jahres.

Amen.

 

Andacht: Gerhard Knodt

Illustration: Heike Halbmann

 

 

LORD, you keep them from destruction: and the armies of heaven are your worshippers. Nehemiah 9:6

 

We say, „It’s written in the stars,“ meaning somewhat carelessly that what is to come is completely uncertain. We have no influence on the future. The watchword of today is more precise. It praises God’s power as Creator and Sustainer of this world. When we praise God, we leave our daily worries behind us. We step back from the minutiae of our day-to-day business and get a glimpse of what our God is doing: You should look to his work if your work is to endure.

For the enviroment of the Bible, the stars, the heavenly host, were not just a few nice twinkling points in the sky. These were powers and forces which steer our fate. Even today, quite a few people believe that. Israel knows only the one God, but doesn’t deny that there may be other powers as well, but „the heavenly host worships you“, like all creation does.

 

We are in his hands, today, tomorrow and every day of our life. And – even more better – we may expect good things from him.

 

Prayer:

Heavenly King, Creator of the universe, source of life, we entrust ourselves to you today because you are love, because you have the power to resist destruction, to overcome hatred and heedlessness.

We entrust to you this week especially the political process in Nicaragua. Give fair elections there. Make the churches and Christians of the country a lighthouse of respect and justice.

We ask for your guidance and blessing in the work of the day and of the new year.

Amen.

 

Prayer: Gerhard Knodt

Illustration: Heike Halbmann

Illustration: Heike Halbmann

Illustration: Heike Halbmann

 

Kann denn ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen? Lukas 6,39

 

Kennen Sie das, „blind“ zu sein? – Rein physisch, also Schwierigkeiten beim Sehen zu haben, verschwommen oder gar nichts zu sehen, im Dunkeln zu tappen? – Oder mehr kognitiv, psychisch, emotional, sich nicht auszukennen, sich verloren zu fühlen, keine Orientierung zu haben, nicht zu wissen wohin?

Wie gut ist es in solchen Situationen, jemanden zu haben, der einem weiterhilft, die Richtung weist, einem Orientierung gibt. Aber Jesus warnt hier im Lukasevangelium auch davor, falschen Wegweisenden oder Führer*innen hinterherzulaufen. Nur weil jemand meint, den Weg zu wissen, muss dieser noch lang nicht richtig sein, sondern kann auch in die Irre führen und sich als verhängnisvoll erweisen.

Jesus betont hier, dass es eher um eine gemeinsame Suche, um ein Miteinander-auf-dem-Weg-Sein gehen sollte und nicht darum, dass alle einem*einer blindlings folgen.

Für die gemeinsame Suche nach dem richtigen Weg hat Gott uns das Doppelgebot der Liebe als Richtschnur zur Orientierung gegeben. „Du sollst Gott lieben und deinen Nächsten wie dich selbst.“ Respekt und Ehrfurcht vor Gott, unserem Schöpfer, Respekt vor der Würde unserer Mitmenschen und Mitgeschöpfe: Wenn wir unser Leben danach ausrichten und uns in diesem Sinne gemeinsam auf den Weg machen, dann, so die biblische Verheißung, wird dieser Weg nicht in die Irre führen, sondern zu einem guten Leben für alle Menschen im Einklang mit der Natur, Gottes Schöpfung.

Amen.

 

Andacht: Gisela Voltz, Referat Entwicklung und Politik, Mission EineWelt

Illustration: Heike Halbmann, Öffentlichkeitsarbeit, MissionEineWelt

 

 

He also told them this parable: “Can the blind lead the blind? Will they not both fall into a pit? Luke 6:39

 

Do you know what it is like to be „blind“? – Purely physical, that is, having trouble seeing, seeing blurry or nothing at all, being in the dark? – Or more cognitive, psychological, emotional, not knowing your way around, feeling lost, having no direction, not knowing where to go?

How good it is in such situations to have someone to help you along, to point you in the right direction, to give you orientation. But Jesus also warns here in Luke’s gospel not to run after false guides or leaders. Just if someone thinks he knows the way that does not necessarily mean it is the right way; it can also lead into error and prove itself as disastrous.

Jesus emphasizes here that it should rather be about a common search, about being together on the way and not that all follow one blindly.

For our common search for the right path, God has given us the double commandment of love as a guideline for orientation. „You shall love God and your neighbor as yourself.” Respect and reverence for God, our Creator, respect for the dignity of our fellow human beings and fellow creatures. If we orient our lives according to this and set out together in this sense, then, according to the biblical promise, this path will not lead us astray, but to a good life for all human beings in harmony with nature, God’s creation.

Amen.

 

Prayer: Gisela Voltz

Illustration: Heike Halbmann

Illustration: Heike Halbmann

Illustration: Heike Halbmann

 

Lasst uns mit Danken vor sein Angesicht kommen und mit Psalmen ihm jauchzen! Psalm 95, 2

 

Lasst uns mit Danken vor sein Angesicht kommen … ich gebe zu, dass mir das nicht immer gelingt. Es gibt Zeiten, in denen ich mich eher im Gedicht „Warum ich gott so selten lobe“ von Dorothea Sölle wiederfinde. Es endet mit der schönen Zeile: „Außerdem hätte ich nichts gegen gott/wenn er sich an seine versprechen hielte.“

Umso erstaunter war ich deshalb zu lesen, dass die gleiche Dorothea Sölle bei einem Glas Wein dieses aus ihrer persönlichen Frömmigkeitspraxis verriet: „Ich habe mir etwas vorgenommen. Ich habe mir angewöhnt, jeden Tag drei Dinge zu finden, für die ich Gott loben kann. Für mich ist dies eine geistlich-politische Übung von hohem Wert und ein Antidepressivum von großer Kraft.“

(Quelle: Waldemar Pisarski, Auch am Abend wird es Licht sein. München, 4. Aufl. 2017)

Ja, es mag uns nicht immer auf der Zunge liegen, der Dank und das Lob Gottes. Aber wir können es üben. Und es wirkt. Der Beter des Psalms wusste es schon lange …

 

Andacht: Klaus Dotzer, Referat Afrika, Mission EineWelt

Illustration: Heike Halbmann, Öffentlichkeitsarbeit, Mission EineWelt

 

 

Let us come into his presence with thanksgiving; let us make a joyful noise to him with songs of praise! Psalm 95:2

 

Let us come into his presence with thanksgiving … I admit that I don’t always succeed with this. Sometimes I rather tend to find myself in Dorothea Sölle’s poem „Why I so rarely praise God“. It ends with the beautiful line: „Besides, I wouldn’t mind God/if he kept his promises.“

I was therefore all the more surprised to read that the same Dorothea Sölle, over a glass of wine, revealed this from her personal practice of piety: „I have made a resolution. I have made a habit of finding three things every day for which I can praise God. For me, this is a spiritual-political exercise of great value and an antidepressant of great power.“

(Source: Waldemar Pisarski, Auch am Abend wird es Licht sein. Munich, 4th ed. 2017)

Yes, it may not always be on the tip of our tongue, thanksgiving and the praise of God. But we can practise it. And it changes our life. The writer of Psalm 95 knew it long ago …

 

Prayer: Klaus Dotzer

Illustration: Heike Halbmann

Illustration: Heike Halbmann

Illustration: Heike Halbmann

 

 

RESPONSIBILITY

 

But what think ye? A man had two sons; and he came to the first, and said, Son, go work today in the vineyard. And he answered and said, I will not: but afterward he repented himself, and went. Matthew 21:28, 29

 

Envy, resentment and strife.

These are the topics of those stories in the Old Testament that mention brothers. Jacob and Esau. Ishmael and Isaac. Cain and Abel, and so on: „Stories of brothers“ are a metaphor for the fact that kinship is no guarantee of peace and that similarity does not mean equality. On the contrary.

In his parable, Jesus gives a special twist to this kind of storytelling. The brothers are nameless, and yet the difference between them is marked in a distinctive way. One of them says, „I don’t want to!“ when asked to work in the vineyard by his father.

How modern that sounds! How individualistic! Parents with children in puberty immediately feel reminded of them: „I don’t want to!“

But one or the other may also think of a fellow human being who shirks responsibility for the world. Who may even openly and clearly say, „I don’t want to!“

Surprising how Jesus ends the parable. The brother who said, „I don’t want to,“ is the one who then does it.

Maybe defiance and refusal are not the final chapter of the matter.

After all, anyone who has ever been a child knows what it means to gain an insight. Doing the right thing, even if you were against it before. That’s how responsibility comes to life. Hopefully.

 

Prayer: Sung Kim

Illustration: Heike Halbmann

Illustration: Heike Halbmann

Illustration: Heike Halbmann

 

Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, wenn er eines von ihnen verliert, nicht die neunundneunzig in der Wüste lässt und geht dem verlorenen nach, bis er’s findet? Lk. 15,4

 

Das Bild von der Schafherde und dem Hirten, das Jesus gebraucht, um die Liebe Gottes zu uns Menschen zu veranschaulichen, war aus den Alltagserfahrungen der Menschen damals entlehnt. Sie wussten, Schafhaltung ist harte Arbeit mit wenig Ertrag, deshalb ist jedes Tier wichtig, zählt jedes Schaf.

Wenn man in unserer heutigen Industriegesellschaft überhaupt einmal eine*n Schäfer*in mit seinen*ihren Schafen zu Gesicht bekommt, dann hinterlässt das eher einen beschaulichen Eindruck. Man könnte meinen, die Hauptarbeit verrichten die Hütehunde, während der*die Schäfer*in gemütlich dabeisteht. Wir sehen und wissen nicht, was da für eine Arbeit dahintersteckt. Für Schäfer*innen gilt aber heute noch genauso: Schafhaltung ist harte Arbeit mit wenig Ertrag. Das ist der Hauptgrund, warum wir heute so selten Schäfer*innen mit ihren Schafen übers Land ziehen sehen. Man muss diesen Job lieben, denn modernen Kosten-Nutzen-Rechnungen hält er kaum stand.

So spricht dieses fast antiquiert wirkende Bild auch heute noch zu uns. Gott muss uns wirklich lieben, wenn er sich so viel Mühe mit uns Menschen macht. Jeder Mensch zählt für ihn, jede*r ist wichtig. Wir können uns bis zu heutigen Tag darauf verlassen: Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln …

 

Andacht: Günter Fischer, Tagungsstätte, Mission EineWelt

Illustration: Heike Halbmann, Öffentlichkeitsarbeit, Mission EineWelt

 

 

What man is there among you who has a hundred sheep and, if he loses one of them, does not leave the ninety-nine in the wilderness and go after the one that is lost until he finds it? Lk 15:4

 

The image of the flock of sheep and the shepherd that Jesus uses to illustrate God’s love for us humans was borrowed from the everyday experiences of people at that time. They knew sheep herding is hard work with little return, so every animal is important, every sheep counts.

In today’s industrial societies, if you ever see a shepherd with his sheep, it leaves a rather contemplative impression. One could think that the main work is done by the herding dogs, while the shepherd stands comfortably by. We do not see and do not know what kind of work is behind it. For shepherds today, however, it is still just as true: Sheep herding is hard work with little return. This is the main reason why we see so few shepherds roaming the countryside with their sheep today. You have to love this job, because it hardly stands up to modern cost-benefit calculations.

So this almost antiquated image still speaks to us today. God must really love us if he takes so much trouble with us humans. Every person counts for him, every person is important. We can rely on it to this day: The Lord is my shepherd, I shall not want …

 

Prayer: Günter Fischer

Illustration: Heike Halbmann

Illustration: Daniela Denk

Illustration: Daniela Denk

 

Ein neues Jahr beginnt, und wir nehmen die Herausforderungen, vor die wir gestellt werden, wieder neu an. Ich wünsche Ihnen allen an dieser Stelle ein gesegnetes neues Jahr und einen guten Start in die kommenden Monate. Wir beginnen die Reihe der Andachten im Jahr 2021 wie immer mit der Jahreslosung:

Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist! Lukas 6,36

Man kennt es aus der Weltpolitik der letzten Jahre: Der US-Präsident erhebt Strafzölle auf Waren aus China, und Peking revanchiert sich umgehend. Und seit sich China für Afrika interessiert, eskaliert dort der Kampf um Einfluss, Bodenschätze und Land. Andere Staaten ahmen Chinas Verhalten nach. Wie wird das enden? Man ahnt es. Der eine ahmt den anderen nach und versucht, ihn dabei zu übertreffen, um die Oberhand zu gewinnen.

Der Religionswissenschaftler René Girard nennt diesen Kreislauf von Nachahmung einen „mimetischen Konflikt“. Der Mensch ist ein mimetisches Tier, dessen Wesen die Nachahmung ist. Sobald einer ein Objekt begehrt, weckt er das Begehren des anderen. So entsteht eine mimetische Rivalität zwischen den Menschen. Und wenn niemand diesen Kreislauf durchbricht, steigert er sich bis zum Äußersten. Girard zeigt, wie viele antike Mythen auf dieser Mechanik basieren. Sündenböcke müssen gefunden werden, und am Ende stirbt der opferbereite Held.

Das Judentum und das Christentum aber wurden sich bewusst, dass diese Form der Konfliktlösung unmenschlich ist und letztlich keinen Ausweg aus der Krise weist. Die Evangelien schließlich machen Schluss mit diesem Kreislauf der Gewalt bis zum Äußersten. Jesus kommt in die Welt, um ihr die Augen zu öffnen. Er weiß, dass man die mimetische Natur des Menschen nicht ändern kann. Aber man kann sie umlenken. Sie sollen ihm nacheifern, dem machtlosen Messias. Sie sollen nicht um das Böse und um Macht wetteifern, sondern um das Gute: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“ Die Jahreslosung für dieses Jahr ist unsere Aufgabe, um Wege aus dem Gewirr der Konflikte zu finden.

 

Andacht: Gabriele Hoerschelmann, Direktorin Mission EineWelt

Illustration: Daniela Denk, Öffentlichkeitsarbeit, Mission EineWelt

 

Literaturhinweis: René Girard: Das Ende der Gewalt, Analysen des Menschheitsverhängnisses, 2009.

 

 

In the world politics of the past years it seems to be familiar to us: The US President implements punitive duties for imported goods from China. Immediately Beijing seeks revenge. And since China is interested in Africa, the struggle for influence, natural resources and land is escalating. Other countries imitate China. How will this end? We can only imagine. One will imitate the other and tries to beat him in order to win.

René Girard, a professor for Religious Studies, calls these circles of imitation “mimetic conflicts”. The human being is a mimetic creature and his nature is imitation. As soon as somebody desires an object, it stimulates the desire of somebody else. This way the mimetic rivalry among humans evolves. And if nobody stops this circle, it will be carried to the extremes. Girard shows how the mythologies of the antiques are based on this mechanism. Scapegoats must be found and in the end, the heroe willing to make sacrifices must die. However, Judaism and Christianity became aware that this way of conflict resolution is inhuman and does not show the way out of the crisis. The gospel finally ends this circle of violence. Jesus came into the world to open our eyes. He knew that one cannot change the mimetic nature of the people. But one can divert it. They shall imitate him, the powerless Messiah. They shall not compete for power and the evil but for the good: “Have mercy, as your father has mercy!” The watchword for this year is our task and shows us the way out of the many conflicts around us.

 

Prayer: Gabriele Hoerschelmann

Illustration: Daniela Denk